Lederkunde

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Was ist Leder?

Unter Leder versteht man die umgewandelte tierische Haut, bei der durch den Gerbvorgang die Eisweißfasern irreversiebel in Lederfasern umgewandelt werden. Durch den Gerbvorgang wird erreicht, dass die Haut kochfest ist, in feuchtem Zustand nicht fault und im trockenen Zustand nicht bricht.

Ledergeschichte

Historisch gesehen ist die Ledererzeugung eines der ältesten Gewerbe der Menschheit. Schon sehr alte Kulturvölker wussten wie sie die tierische Haut so umwandeln mussten, damit diese als (Fuß-)Bekleidung getragen werden konnten.

Über Funde und Aufzeichnungen lässt sich die Lederherstellung sehr weit zurückverfolgen.

  • es gibt bildliche Darstellungen des Gerbvorganges an ägyptischen Tempeln und Palästen

  • Prähistorische Funde

  • Gradfunde aus Ägypten und Persien

  • Schriftliche Aufzeichnungen belegen, dass es den Gerbern in den Städten bzw. an den Fußläufen flußaufwärts verboten war, ihr Handwerk auszuüben.

  • Pergament war im Altertum das übliche Schreibmaterial#

Die Gerbverfahren waren von Kultur zu Kultur verschieden.

  • die Tartaren "gerbten" ihre Häute mit Rauch

  • die Araber kannten die Alaungerbung

  • die Indianer fertigten ihre Mokassins aus fettgarem Leder, das nass am Fuß angepasst wurde und beim Trocknen die Fußform annahm.

  • die Römer wussten um die gerbende Wirkung von Rinden und Zapfen

  • Die Germanen nutzten zur Gerbung Eichenholz und Eichenrinde

Das Gerberhandwerk stand seit dem Altertum auf einer recht hohen technischen Stufe und veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte fast nicht. Wirkliche Innovationen brachten erst im 19. Jahrhundert die Herstellung von Gerbextrakten und die dann mögliche Einführung von Gerbfässern. Die Erfindung der Chromgerbung (1858 durch Eitner & Knapp) legte schließlich die Basis für eine Industrialisierung der bis dahin rein handwerklich betriebenen Lederherstellung. Die Konstruktion leistungsfähiger technischer Anlagen beschleunigte den technischen Fortschritt in der Lederproduktion.

Erst im Jahr 1912 gelangte der erste synthetische Gerbstoff auf den Markt.

Welche Tiere werden genutzt?

Im Prinzip können alle Häute von Säugetieren zu Leder verarbeitet werden aber auch viele andere sind möglich:

  • Haus- und Nutztierhäute (Rind, Kalb, Pferd, Büffel), Wildarten (Hirsch, Fuchs, Dachs) sowie kleinere Arten (Hund, Katze) und exotische Varianten (Antilope, Känguru, Raubkatzen).

  • Auch Reptilien- und Vogelhäute werden genutzt: Krokodil, Eidechse, Strauß.

  • Fischhäute sind ebenfalls verbreitet, z. B. Hai- oder Perlfischhäute.

  • Auch Amphibienhäute (z. B. Ochsenfrosch) wird verarbeitet.

  • Pilzleder aus einem bestimmten Pilz mit einer internen Faserschicht die vom Aufbau und Stabilität der einer tierischen Haut ähnelt. Traditionell wurde und wird solches Material im Ostseeraum (Estland, Lettland, Litauen) für Kopfbedeckungen verwendet.

Der Aufbau der Haut

Für das bessere Verständnis kommt ein wenig anatomisches Wissen. Ausgegangen von einer tierischen Haut nachfolgend der Aufbau und was zur Gerbung genutzt wird.

(1) Oberhaut, (2) Lederhaut, (3) Unterhaut

  1. Die Oberhaut hat eine außenliegende Hornschicht

    Darunter liegt die weichere Keimschicht (bzw. Schleim- und Körnerschicht). Diese Keimschicht produziert Zellen, die durch unterliegende, nachwachsende Zellen nach außen gelangen, dabei austrocknen und schließlich als ausgetrocknete Hornzellen (z.B. Schuppen) abgestoßen werden.

    Die Stärke der Oberhaut insgesamt beträgt nur ca. 1 % der Gesamtdicke der Haut. Die Oberhaut ist für die Lederherstellung unbrauchbar und wird vom Gerber mitsamt den Haaren durch Alkalien entfernt.

  2. In der Lederhaut ist die oberste Schicht die Papillarschicht, sie gibt dem Leder den Narben. Die Papillarschicht besteht aus einem dichten Flechtwerk feinster Fasern. Kleine Löcher sind vorhanden durch Haarbälge und Ausführungsgänge von Schweiß- und Fettdrüsen. In der Papillarschicht befinden sich wichtige Organe wie Nervenstränge, Tastkörperchen, Blutgefäße, Arterien und Venen.

    Darunter liegt die Reticularschicht. Sie besteht aus starken kreuzweise verflochtenen Faserbündeln und diese geben dem Leder die Eigenschaften wie Elastizität und Reißfestigkeit. Zwischen dem Fasergefüge ist Bindegewebe eingelagert, welches aus Eiweißstoffen (Kollagene) besteht. Diese Kollagene werden beim Gerbprozess teils chemisch herausgelöst, teils physikalisch verdrängt, damit die Haut die Gerbstoffe aufnehmen kann. Die Lederhaut bildet ca. 85 % der Gesamtstärke der Haut und ist der einzige Teil der genutzt werden kann.

  3. Die Unterhaut verbindet am Tier die Lederhaut mit dem Muskelfleisch. Sie enthält ein Netz von Adern und zwischen den Zellen Fettablagerungen. Die Unterhaut ist für die Lederherstellung völlig wertlos und wird vor dem Gerben entfernt (daraus entsteht Gelatine, Leim usw.) Die Unterhaut macht ca. 14 % der Gesamtstärke der Haut aus.

Wie wird Leder hergestellt?

Bevor der Gerber mit dem Gerbvorgang beginnen kann, muss die rohe Haut noch zur Blöße weiter verarbeitet werden. Die Vorbereitung zur Blöße wird in der sogenannten Wasserwerkstatt vollzogen. Die Wasserwerkstatt besteht aus mehreren Stationen. die jede einzelne Rohhaut durchlaufen muss.

Die Wasserwerkstatt:
  1. Die Weiche wie der Name schon erahnen lässt werden hier die Rohhäute mittels Wasser und Weichfässer, Wassergruben, Haspeln oder Lattentrommeln von ihren Konservierungsstoffen wie Salze befreit und in die ursprüngliche Weichheit der Haut zurückgebracht.

  2. Haarlockerung und Hautaufschluss wird durch die Verfahren Äschern, Schwöden und Schwitzen erlangt. Hierbei wird die Oberhaut Haarlässig, das Lederhautfasergefüge aufgeschlossen, ein genau berechneter Schwellungsgrad erzielt und die Fettsubstanzen der Haut reduziert. Wie das Leder später werden soll, muss bereits in diesem Schritt bedacht und mit entsprechendem Verfahren vorbereitet werden.

  3. Enthaaren und Entfleischen, hier wird die Oberhaut und die Unterhaut von der in der Mitte liegenden Lederhaut abgetrennt.

  4. Spalten und Crouponieren hier werden die Rohhäute in bis zu drei schichten aufgespalten: Narbenspalt, Mittelspalt und Fleischspalt. Somit wird eine Verdopplung oder gar Verdreifachung des Leders erreicht. Beim Crouponieren wird der wertvolle Rücken mit Schild aus der Haut herausgetrennt. Die Croupons (franz.: la croupe = der Rücken) erhalten eine Qualitativ hochwertigere Gerbung als die restlichen Teile.

  5. Entkalken und Beizen Kalkreste vom Äschern und Schwöden werden mittels Säuren (z.B. Ameisensäure) entfernt. Je weicher und zügiger ein Leder werden soll, umso intensiver ist es zu entkalken und beizen.

  6. Streichen und Glätten in den Hohlräumen der Haut sitzen noch Reste der Oberhaut und von Haarwurzeln sowie Fettstoffe fest (auch "Gneist" genannt). Die Poren der Haut sind nach dem Beizen sehr offen. Deshalb werden diese Reste mit einer Maschine herausgedrückt und mit viel Wasser weggespült.

Hiermit sind die Arbeiten der Wasserwerkstatt beendet. Die Haut wird nun als Blöße bezeichnet. Sie ist jetzt weißlich in der Farbe und besteht nur aus der Lederhaut (Ober- und Unterhaut wurden entfernt). Nun kann sie gegerbt werden.

Gerbverfahren:

Es gibt verschiedene Gerbmittel, um Leder herzustellen. Grundsätzlich bewirken alle mittel denselben Effekt: Umwandlung der Eiweißfasern in Lederfasern. So können verwendet werden:

  1. vegetabile (pflanzliche) Gerbmittel

  2. mineralische Gerbittel

  3. Fettgerbemittel

  4. synthetische Gerbmittel

Eine Kombination der verschiedenen Gerbmittel ist möglich.

(Der Gerbprozeß selbst kann man als chemischen Vorgang beschreiben. Im Laufe dieses Prozesses nimmt die Blöße den Gerbstoff aus der Gerblösung auf. Der Gerbstoff lagert sich am Hautfasergefüge an und wandelt die Eiweißfasern in Lederfasern um)

Natürlich gibt es auch Verschiedene Gerbarten:

  1. Die Vegetabile Gerbung lässt sich in drei Verfahren aufteilen: Gruben- oder Versatzgerbung (24-36 Monate Gerbdauer), der Farbengang (~24 Tage Gerbdauer), die Fassgerbung (Gerbdauer wenige Tage, ausschließlich mit Extraktbrühe wird gegerbt)

  2. Die Alaungerbung

  3. Die Chromgerbung

  4. Die Sämischgerbung / Das Fettgerbverfahren

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Was für Arten von Leder gibt es?

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Was ist Wildleder?

Wildleder ist eigentlich Leder, das aus den Häuten von wildlebenden Tieren wie Hirschen oder Kängurus hergestellt wird. Umgangssprachlich wird es aber als synonym für Rauleder verwendet. Das mag zwar nicht ganz korrekt sein – aber da das Wort landläufig so benutzt und verstanden wird, wollen wir auch nicht den Oberlehrer spielen. Mit Collonil & Sollitaire können wir selbstverständlich auch Wildlederschuhe reinigen und pflegen.

Schon immer wurden die Häute mit qualitativ schlechten Oberflächen zu Rauleder verarbeitet, weil die Makel im Herstellungsprozess verschwinden. Verbraucher wissen das Material aber aus einem anderen Grund zu schätzen: der warme Griff und die samtige Haptik.

Nubuk – fein und samtig

Obwohl sich Nubuk und Velours am Ende des Herstellungsprozesses ähneln, ist der Weg zum Endprodukt ein anderer.

Bei Nubuk wird die Narbenseite, also die oberste Hautschicht des Leders, angeschliffen. Dadurch entsteht ein sehr feiner Flor, unter dem oft noch das Narbenmuster zu erkennen ist. Das Leder ist nach dem Schliff atmungsaktiver, aber auch weniger beständig gegen UV-Strahlung und bleicht im Sonnenlicht schneller aus.

Velours – faserig und atmungsaktiv

Bei Veloursleder unterscheiden wir zwischen zwei Sorten. Bei der einen wird die Fleischseite, also die Rückseite der oberen Lederhaut verarbeitet. Bei der anderen wird das Leder nach unten weggespalten, so dass es an beiden Seiten eine raue Oberfläche hat (auch Mittelspalt genannt).

Veloursleder ist sehr robust und atmungsaktiv, und wird daher gerne für Turnschuhe und Handschuhe benutzt. Es besitzt deutlich längere Fasern als Nubukleder. Diese Fasern kleben bei intensiver Benutzung zusammen und bilden so genannte Verspeckungen. Um das zu verhindern, muss Veloursleder bei jeder Pflege aufgeraut werden.

Rauleder

Glattleder

Ist Glattleder gleich Glattleder?

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